wahrscheinlich steht mir gerade die lustigste Reise bevor oder die frustrierendste. Warum? Weil Sonja und ich in wenigen Stunden nach Island fliegen und sich gerade dort ein Mega-Tief eingenistet hat, das eine ganze Woche Island mit Dauerregen beglücken möchte. Hinzu kommt, dass der Tag dort gerade von 3:30 bis 23:30 Uhr dauert und wir das schlechte Wetter also 20 Stunden am Tag ertragen müssen. Ich denke gerade an meine finnischen Vorbilder aus der Jugendzeit wie Aki Kaurismäki mit seinen Leningrad Cowboys - was würden sie wohl gegen eine Depression empfehlen? Nun gibt es für uns mehrere Möglichkeiten diesem Schicksal zu begegnen:
1. Die Reise absagen, aber die Stornogebühren liegen bei 100%
2. Mit Hilfe des Universums und meiner Mama das Tief wegbeten
3. Hochprozentiges am Flughafen einkaufen und das schlechte Wetter schöntrinken
4. Happy Hour App für Reykjavik downloaden
5. Badesachen und Regenschirm für Regentänze einpacken
Wir haben uns für Varianten 2-5 entschieden, Kneifen kommt nicht in Frage. Außerdem ist in Island irgenwie alles mit Wasser in den verschiedensten Aggregatzuständen verbunden: die heißen Quellen (Wasser als Dampf), Wasser in der blauen Lagune und in den Geysieren (= Wasser flüssig), die Gletscher (Wasser im gefrorenen Zustand).
Es ist schon verrückt bei knapp 30 Grad in Fellschuhen am
Flughafen zu sitzen, Gegen 22 Uhr hebt der Flieger in Stuttgart nach Island ab.
Wir sind neugierig auf diese Insel aus Eis. Für uns heißt sie „Eisland“. Die
Dunkelheit umarmt uns als wir starten, aber schon bald fliegen wir dem Licht
entgegen. Immer wieder nicken wir ein und wenn wir blinzeln, dann denken wir,
dass die Sonne gleich aufgeht, aber dem ist nicht so: Als wir in Reykjavik landen,
geht hier kurz vor Mitternacht gerade die Sonne unter. Der Schlaf-Wach-Rhythmus
ist vollkommen gestört.
Am Flughafen geht es zu wie in einem türkischen Bazar. Überall
krabbeln die Menschen wie Ameisen. Ein Stimmengewirr aus verschiedenen Sprachen surrt gleichmäßig,
das man nicht unterscheiden kann, dazwischen Durchsagen mit den röhrenden
Lauten der isländischen Sprache , grollend wie ein Gewitter. Wir kommen im Morgengrauen
in unserem Hotel an und fallen für ein paar Stunden in einen traumlosen Schlaf. Herzlichst Eure Maggie
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