Sonntag, 26. Juli 2015

Snaefellsnes: Das Füllhorn der Naturwunder


Die Sonne geht hier kurz vor Mitternacht unter und so richtig dunkel wird es gar nicht. Man muss also ein wenig tricksen, um sich das Zubettgehen zu erleichtern, z.B. die dicken schwarzen Vorhänge vorziehen und Kunstlicht anmachen. Ich wurde müde, Sonja nicht, da sie immer wieder hinter die Vorhänge spickte und um Mitternacht noch an den Hafen wollte. Ich konnte sie überreden es nicht zu tun, da wir heute um kurz nach sechs – da war es draußen schon längst wieder hell;-) – raus mussten.

Bei herrlichstem Sonnenschein erkunden wir den Westen der Insel. Zuerst unterqueren wir in 160 Metern Tiefe den Hval-Fjord und sparen uns dadurch 120 km an Land. Ein bisschen Panik habe ich schon in dem knapp sechs Kilometer langen Tunnel, dass plötzlich Wasser einbricht. Aber das war schnell vergessen, als der Nationalpark Snaefellsnes heute seine Schatzkammer für uns öffnete. Alle paar Kilometer wechselt die Landschaft vollständig: Vulkankrater, Gletscher, Erzgestein, Lavaformationen, Sandstrände, Mondlandschaften, saftige Wiesen mit Schafen – so geht es den ganzen Tag. Gleich zu Anfang erblicken wir vor einer Gletscherkulisse einen hellen Sandstrand mit Robben, die sich in der Sonne räkeln. Ein paar Schritte weiter stolpere ich im Gras über ein Herz aus Stein, das mit Sand gefüllt ist – einfach so von Mutter Natur erschaffen. Das Kind in mir hüpft vor Freude und es geht märchenhaft weiter: Jules Vernes Eingang zum Mittelpunkt der Erde finden wir in der Nähe des kleinen Fischerdorfs Arnarstapi. Hier führen Möwen das Regiment und jetzt in der Brutzeit kann man zum Teil sein eigenes Wort nicht mehr verstehen, so laut kreischen die Vögel. Neben bezaubernden Basaltformationen und einem versteinerten Troll vor dem Hausberg, der uns an den Machu Picchu erinnert, bestaunen wir eine Minitankstelle mitten im Nichts. Sonja findet auch gleich das passende Auto für unsere Weiterfahrt.

Ich habe mich in die Dritvik-Bucht verliebt: Kilometerlange karge Lavaformationen führen uns zu einem dicht bewachsenen Vulkankrater, der einen Lavastrand umarmt und damit eine einzigartige Freilichtbühne erschafft: Auf dem schwarzen Kieselstrand liegen rostig-orangene Wrackstücke des britischen Trawlers Epine verstreut, der im März 1948 hier strandete. Im Hintergrund erinnert der zarte Wellenschlag der Gezeiten an die Vergänglichkeit des Lebens. Island geht unter die Haut, wenn man sein Herz und seine Augen öffnet.
In diesem Sinne, Gute Nacht, Eure Maggie



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen